Jörg Mühle

Nahe dem Frankfurter Südbahnhof durchlaufe ich zwei Hinterhöfe und stehe vor einem geduckten Zweckbau. Main Klischee, lese ich groß auf seiner Fassade. Hier im vierten Stock befindet sich das Labor, eine Ateliergemeinschaft aus neun Illustratoren und Grafikern.

Jörg Mühle öffnet mir die Tür und ich trete ein in das ästhetische Chaos einer Kreativenwerkstatt, die den Charme einer WG beibehalten hat. Jörg Mühle ist seit sechs Jahren mit dabei. Sein Schreibtisch quillt über vor Pinguinen und Piraten. Er zeigt mir neue Zeichnungen, die gerade für das Hochschulmagazin der Frankfurter Allgemeinen entstehen. Das Hochschulmagazin entsteht in Zusammenarbeit mit anderen Labormitarbeiter, zu denen unter anderen auch Philip Waechter, Moni Port und Anke Kuhl gehören.

Zu seiner Arbeitsweise gehört sowohl der kleine, alte Leuchttisch aus Holz, der zwischen den Arbeitsplätzen der Zeichner steht, als auch das Wacom-Board, das bei ihm inzwischen die Maus ersetzt hat („Die hab ich nur noch für Gäste mit angeschlossen.“). Jörg Mühle arbeitet vor allem im Kinder- und Jugendbuchbereich. Neben deutschen Verlagen arbeitet er vor allem für Frankreich. Die französische Buchlandschaft ist ja neben ihrer Comicleidenschaft auch für eine herausragende Bilderbuchkultur berühmt. So fühlt sich Jörg Mühle nicht nur durch sein Studium in Paris an der Ecole Nationale Superieure des Arts Decoratifs mit Frankreich sehr verbunden. Sein Stil steht in der Tradition der frankobelgischen Linie.

Stilistisch scheinen die Laboranten gut zusammen zu passen. Auch wenn ganz unterschiedliche Techniken verwendet werden. Ich komme aus dem Schauen gar nicht mehr heraus. Überall sieht man neue nette Details, überall hängen Postkarten, stehen Figürchen herum, gibt es Laborbuttons zu kaufen. Gemeinsam verwandeln sie einmal im Jahr ihre Arbeitsplätze in eine Galerie, in der während der Buchmesse die Besucher die neusten Arbeiten sehen können. Es tut gut mit anderen zusammen in einem Raum zu arbeiten, erzählt Jörg Mühle. Es motiviert und gibt immer wieder die Gelegenheit sich auszutauschen und Informationen weiterzugeben.

Voller Begeisterung zeigt mir Jörg Mühle nicht nur Arbeiten von sich, sondern auch die unzähligen Bücher, die sein Büro füllen. Man spürt die Leidenschaft an der Illustration, wenn er mir verschiedene Zeichner zeigt und deren Fanzines und Reisetagebücher. Es ist schon stockdunkel draußen, als ich mich endlich verabschiede. Zur Buchmesse werde ich wiederkommen. Ganz sicher.

Ben Bauer

Das Gamedesign verlangt nicht nur von den Illustratoren höchste Handwerkskunst. In diesem komplexen Miteinander unterschiedlichster Spezialisten muss alles ineinander greifen, um neue „echte“ Welten zu schaffen. Um einen Einblick in den künstlerischen und grafischen Bereich des Videogame Designs zu bekommen, fahre ich heute nach Frankfurt zu Crytek – die für das Aussehen ihre Spiele weltberühmt sind.

Ben Bauer ist Leveldesigner seit 1997. Seine Anfänge hatte er in der Mod-Communitiy im Team Mirage. Mit diesem arbeitete er zusammen an der Modification „Navy Seals – covert operations“ für Quake 3. In der Anfangsphase von FarCry, das später ein Welterfolg werden sollte, stieß Ben Bauer zu Crytek dazu. Als Leveldesigner entwickelte er dafür mehrere Indoor-Level und kümmerte sich um das Lightning. Momentan arbeitet er als Senior Leveldesigner und Scrum Master an Crysis, dem in der Spielerszene heiß erwarteten nächsten Projekt von Crytek. Die Bilder, die mir Ben zeigt, sind beeindruckend. Zwar kennt man vieles schon aus dem Internet, aber sie direkt vor Ort erklärt zu bekommen ist doch um einiges spannender. Als Leveldesigner sitzt Ben Bauer zwischen so unterschiedlichen Positionen, wie den Concept Artists, den Künstlern sozusagen und den Programmieren, die für die technische Seite zuständig sind. Er muss zusammenführen, was sich kaum zusammenführen lässt. Die Vision von der Lichtstimmung, die der Künstler beim Malen hatte, muss Ben Bauer darauf überprüfen, ob sie mit Lichtquellen überhaupt zustande gebracht werden kann und ob man bei den Sichtverhältnissen noch spielen kann.

Er führt mich herum, überall hängen Storyboardskizzen an den Wänden und Entwürfe von Gegenständen und Fahrzeugen liegen neben unendlich vielen Monitoren. Crytek hat momentan 145 Mitarbeiter und monatlich werden es einige mehr. In dem kernsanierten Loftgebäude wechseln sich Großraumbüros mit kleineren Arbeitszimmern ab. Man sieht auch räumlich, dass viel Koordination hinter der Spielentwicklung steckt. Jedes Arbeitsfeld und jede Arbeitsgruppe muss zusammengefasst werden und hat ihren eigenen Bereich.

Was für Auswirkungen sollte die Kunst auf das Leveldesign haben, fragt sich Ben Bauer auf seiner Website. Der Kopf schwirrt mir vor unglaublich intelligenten künstlichen Intelligenzen und altmeisterlich gemalten Urwaldansichten. Was für Auswirkungen sollte Gamedesign auf die Kunst haben, frage ich mich, als wir uns nach drei Stunden verabschieden.

Upitup in Liverpool

ShakeYourTree is going to town tonight (exept me, damn) with our friends from upitup. If you happen to be in Liverpool on the 8th of March, come celebrate at The Magnet (Hardman St. 45), together with Cylob, Milanese, CEEPHAX, Jacques MalChance, Isocore, Primix For Kids, Roglok, and The Discoghosts! Happy 4th Birthday UPITUP!

Big active

Einen Illustrator zu treffen ist wohl nicht immer so leicht, wie es beim ersten Mal der Fall war. Seit einer Woche halte ich mich nun schon in Brighton auf, um "David Foldvari":http://www.davidfoldvari.co.uk/ zu treffen. Aus allerlei Umständen will es aber einfach nicht klappen.

Hält er sich nun in London auf? Oder doch in Brighton? Ich weiss es nicht genau. David Foldvari ist Illustrator bei "Big Active":http://www.bigactive.com/. Ein Design Studio bzw eine Illustratorenagentur, die nicht nur für David Foldvari Heimat ist, sonder auch für Künstler wie Jasper Godall, Genevieve Gauckler uva. Big Active wurde Anfang der 90er von Gerard Saint, Paul Heatherington und Mark Watkins gegründet.

Also einfach mal hingehen. Vielleicht komme ich so meinem Treffen näher. Vielleicht ist er dort. Big Active hat seinen Sitz in der Shoreditch High Street in einem lebendigen Londoner Stadtteil in dem man bei jedem zweiten Schritt über eine kleine Galerie oder einen noch kleineren, aber um so volleren Handmade-Tshirt-Shop stolpert. Ich stehe vor einem riesigen alten Backsteinbau, dem Tea Building. Früher ein Lagerhaus für den Teehandel, wurde es vor wenigen Jahren renoviert und ist nun in fester Hand einer jungen Designer- und Kunstszene aus dem Londoner Medienbereich.

Ein alter Wachmann sitzt in einem umgebauten Baustellencontainer, mitten in der hohen Empfangshalle des Tea Buildings. Der Container wird von hunderten US-Zeitungskästen umgeben. Der Wachmann will nicht richtig ins Ambiente passen. Ich muss den genauen Grund meines Besuches in Formulare eintragen und erhalte einen Besucherausweis. Ich komme mir ganz schön wichtig vor, als ich den alten Lastenaufzug aus Holz nehme, und 6. Stock, Big Active drücke.

Tim Higgs öffnet mir die Tür, als ich bei Big Active läute. Er führt mich herum zwischen sicher zwanzig bis dreißig fieberhaft vor den Rechnern arbeitenden Menschen. Er zeigt mir das riesige Archiv an Portfoliokarten der Big Active Künstler und drückt mir mehrere Postkarten in die Hand. Aber wo Foldvari sei, könne er mir auch nicht sagen. Eigentlich würde er kaum ins Studio kommen. Er sei doch sicher gerade in Brighton. Aber mir läuft die Zeit davon. Mein Abreisedatum rückt immer näher, nur noch ein Tag und umbuchen lässt sich nichts. Auch in Hove finde ich ihn nicht. Ok, David Foldvari. Wir holen es nach. Irgendwann.

Kurt Dornig

Der Bodensee liegt fast vor der Tür und die Berge sind sowohl Kulisse als auch Hauptprotagonist für die Gestalter bei Saegenvier. Hier erwartet mich heute Kurt Dornig. Es wird das erste Treffen meiner „Meet the Illustrators“ Rundfahrt sein.

In loser Abfolge werde ich Zeichner und Designer besuchen um Portraits von ihnen und ihrer Arbeit zu machen. Diese werden später Bestandteil meiner Diplomarbeit sein. Saegenvier ist das Grafikstudio von Sigi Ramoser, Sandro Scherling und Kurt Dornig. In einem schön wiederaufbereiteten alten Fabrikareal liegt es direkt neben der Dornbirner Fachhochschule für Design, der FHV.

Kurt Dornig empfängt mich in seinem großräumigen Büro, das sowohl Computerarbeitsplatz, als auch Atelier, als auch Besuchersofaecke ist. Die Berge, auf die man durch die großen Fenster blickt, sind atemberaubend. Kurt Dornig ist in seinem Beruf zu 95% Grafikdesigner, wie er sagt, aber wie wichtig ihm die 5% Illustrator sind, sieht man an seinem Atelier. Riesige Bilder und Siebdrucke lehnen an der Regalwand. In dieser füllen Skizzenbücher mit Aktzeichnungen und Reiseeindrücken die Fächer.

Sein runder, fröhlicher Stil quillt über vor Körperlichkeit und plastischen Formen. Seine Arbeiten entstehen vor allem als Bildserien über einen längeren Zeitraum und werden dann in Ausstellungen und Eigenpublikationen präsentiert. Kurt Dornig führt mich herum und zeigt mir unglaublich viele Zeichnungen, Plakate und vor allem die verschiedenen Entwicklungsstufen in seinen Skizzenbüchern. Aus einer abendlichen Kritzelei in der Kneipe wird so ein aufwendiger Siebdruck, der verglast über seinem Sofa hängt.

In Kurt Dornig verbinden sich der Grafikdesigner und der Illustrator, auch wenn letzteres eher in der Freizeit ausgeübt wird und dort in einem eher künstlerischen Rahmen stattfindet. Die Kunden wissen was sie von ihm verlangen können und so entstehen auch regelmäßig illustrierte Plakate für das Seelax-Festival. Er sucht die Nähe zur Kunst, sei es als Gründungsmitglied im Künstlerbund Kunst.Vorarlberg oder als Buchgestalter aufwendiger Künstlerkataloge, die er mir begeistert zeigt.

Er nimmt sich unglaublich viel Zeit für meinen Besuch und das schöne ist, dass er sich an meinen Skizzenbüchern und Arbeiten genauso interessiert zeigt, wie umgekehrt. Immer wieder werden wir von Telefonanrufen unterbrochen, Kurt Dornig steckt gerade mitten in den Bauarbeiten für ein neues Atelier, das Ende diesen Jahres fertig werden soll. Ich bin auf die neuen Räumlichkeiten gespannt und wünsche ihm fürs Arbeiten im neuen Zuhause Alles Gute.

Meet the Illustrators

Für mein Buch, das sich mit den ersten Schritten beschäftigt, die ein Illustrator in der Arbeitswelt so machen muss, treffe ich aus den verschiedensten Bereichen Zeichner, die mir ihre Anfänge erzählen. Der illustrierte Leitfaden ist meine Diplomarbeit und wird im Sommer 2007 fertig werden.

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